Hygrometer kalibrieren

Möglichkeiten und Grenzen der Hygrometerkalibrierung



Um es vorweg zu nehmen - kein Hygrometer kann auf Dauer eine halbwegs präzise Messung der relativen Feuchte garantieren, wenn es nicht regelmäßig kalibriert wird. Bei der Kalibrierung stellt man den Zeiger des Hygrometers auf einen bestimmten Feuchtewert ein von dem man weiß, dass er gerade in unmittelbarer Umgebung des Hygrometers vorherrscht. Allerdings dürfen Sie nicht dem Trugschluss erliegen, Sie könnten mit Hausmitteln ein Hygrometer auf das Prozent genau kalibrieren. Dafür müssten Sie über mehrere Stunden absolute Temperaturkonstanz sichern. Ein Grad Temperaturschwankung bedeutet eine Änderung der rel. Feuchte von 3-4%.

Um Ihnen aber wenigstens einige Anhaltspunkte zur Kalibrierung zu geben möchte ich Ihnen einige Methoden hier vorstellen. Aber bedenken Sie: Jedes Hygrometer hat einen Messfehler an sich und egal welche Methode Sie anwenden - sie bringt auch nochmal einen gewissen Messfehler mit sich.



Nicht verrückt machen lassen

Mit einem handelsüblichen Hygrometer können Sie messen, ob im Humidor tendenziell 65, 70 oder 75% rel. Feuchte liegen. Mehr können Sie nicht erwarten. Immer wieder bekomme ich Anrufe besorgter Zigarrenraucher, die ganz aufgelöst davon berichten, dass Sie mit dem elektronischen Befeuchter HYDROCASE befeuchten aber einfach nicht auf die 70% kommen. Bei 66% ist Schluss. Wenn Sie bedenken, dass der Sensor im HYDROCASE einen Fehler von 1,8% hat, das Hygrometer selbst etwa 3-4% (wenn es perfekt kalibriert ist) und dann noch Temperaturschwankungen dazukommen - dann sind 66% ein perfekter Wert.



Hochpräzisionsmessung mit Taupunktspiegel

Wenn Sie wirklich die rel. Feuchte hochpräzise messen wollen, dann können Sie das nur mit einem elektronischen Präzisions-Hygrometer mit kapazitivem Sensor oder mittels eines Taupunktspiegels tun. Solche elektronischen Präzisions-Hygrometer beginnen bei ca. € 280.- und für einen Taupunktspiegel müssen Sie einen vierstelligen Betrag hinlegen. Dann messen Sie aber auf ein halbes Prozent genau.

Auch wenn es jetzt hinsichtlich Zigarrenlagerung etwas albern wird - ich möchte Ihnen doch die Funktion des Taupunktspiegels erklären. So bekommen Sie einen Eindruck, wie komplex eine wirklich präzise Feuchtemessung ist.

Ein solcher spiegelgekühlter Sensor arbeitet nach dem fundamentalen direkten Messprinzip. Ein kleiner polierter Edelstahlspiegel wird mit einem thermoelektrischen Peltier-Element gekühlt bis er die Taupunkttemperatur des ihn umgebenden Gases erreicht. Beim Erreichen dieser Temperatur beginnt sich Kondensat auf dem Spiegel zu bilden.

Ein elektronisch-optischer Regelkreis detektiert das sich bildende Kondensat durch die Reduzierung der Lichtintensität des von der Spiegeloberfläche reflektierten Lichtes. Die Regelelektronik moduliert die Stromzufuhr zum Peltier-Element und damit die Kühlung des Spiegels direkt abhängig vom optisch detektierten Kondensat, so dass der Spiegel kontinuierlich auf der Temperatur bei der Gleichgewichtszustand zwischen Verdampfung und Kondensation vorherrscht geregelt wird. In diesem kontinuierlich regelnden Zustand, den man als Taupunkttemperatur eines Gases bezeichnet, wird die Temperatur der Spiegeloberfläche mit einem im Spiegel eingelassenen Sensor hochgenau gemessen.

Mit diesen Taupunktspiegeln können Taupunkttemperaturen zwischen -105°C und +100°C gemessen werden. Zum Teil erfassen diese Geräte auch die Gastemperatur und den Druck, womit dann die Berechnung von vielen Feuchteparametern (RH%; ppm; g/m3; g/kg u.a.) möglich wird.

Aber vergessen Sie das für den Heimgebrauch im Humidor ganz schnell wieder. Wir machen das etwas "rustikaler".



Feuchte Lappen Methode

Diese Variante ist die Standardvariante, die in den meisten Hygrometer-Anleitungen empfohlen wird. Legen Sie das Hygrometeres für etwa eine Stunde in einen feuchtnassen Lappen. Standardmäßig stellen Sie dann das Hygrometer auf 98%. Das ist eine sehr einfache Methode. Achten Sie darauf, dass der Lappen mit Hygrometer zugfrei in einem geschlossenen Raum bei konstanter Temperatur liegt.

Allerdings hat jedes Hygrometer eine eigene Meßcharakteristik und hat damit einen präzisen und einen unpräziseren Bereich. Das heißt, dass diese Methode zu einem verfälschten Ergebnis führt, weil man ja bei einem Wert von ca. 100% rel. Feuchte misst/kalibriert und nicht bei dem Wert, den man eigentlich präzise messen will, nämlich 65-75%.